21. Juli 1940: Widerstand gegen den Bundesrat

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Max Waibel, hier 1947 als Oberstlt i Gst, gehörte zu den “Verschwörern” des 21. Juli 1940.

Im Eingang zur Höheren Kaderausbildung der Armee ehrt eine Gedenktafel Divisionär Max Waibel, Waffenchef der Infanterie. Waibel vermittelte 1945 den Waffenstillstand an der Südfront zwischen den USA und Deutschland. Und er gehörte vor 80 Jahren, am 21. Juli 1940, zu den 18 “Verschwörern” von Luzern.

  • Nach Frankreichs Kapitulation am 18. Juni 1940 herrschte in der Schweiz gedrückte Stimmung.  Der Bundespräsident, Marcel Pilet-Golaz, hielt am 25. Juni 1940 eine defaitistische Radioansprache, die bei Kadern der Armee schlecht ankam.

Unbedingter Widerstand – gegen innen und aussen

  • Die mutigen Hauptleute Alfred Ernst, Max Waibel Hans Hausamann und Max Waibel gründeten zusammen mit August R. Lindt einen geheimen Offiziersbund. Die raison d’être dieser Verschwörung war: Die Armee kämpft selbst dann, wenn der Bundesrat und die Armeeführung kapitulieren.
  • Am 21. Juli 1940 fand in Luzern die Gründungsversammlung statt, an der die Teilnehmer ein Manifest unterschrieben, das den unbedingten bewaffneten Widerstand und die Erneuerung der Schweiz forderte. Das konspirative Treffen fand im Hotel Schweizerhof direkt am Vierwaldstättersee statt.
  • Sollte der Bundesrat kapitulieren, sollte er von einem Bataillon im Bundeshaus festgesetzt und entmachtet werden.
  • Die “Verschwörer” beschlossen auch, durch Vertrauensleute in allen militärischen Verbänden sicherzustellen, dass die Armee gegen den Willen des Bundesrats bewaffneten Widerstand leistete, gegen innen und aussen.
  • Die Vertrauensmänner sollten dem Manifest Nachachtung verschaffen.

Geheimbotschaft fällt in falsche Hände

  • Die Notwendigkeit, alle Armee-Formationen für den bedingungslosen Widerstand zu gewinnen, führte dann zum Ende der “Verschwörung”. Eine geheime Botschaft fiel in falsche Hände. Die Offiziere wurden verraten, verpetzt und festgenommen. Sie hatten konspirative Gesetze verletzt.
  • In der ersten Aufregung war von einem Prozess und drakonischen Strafen die Rede. Aber die tapferen Offiziere hatten in der hohen Politik Fürsprecher; ihr Mut imponierte dem Chef EMD, dem Berner Bundesrat und Landwirt Rudolf Minger. Auch General Guisan hatte Verständnis und Sympathie für den Offiziersbund. Er nahm Einfluss zugunsten der Offiziere.
  • Die Militärjustiz liess es mit einem Disziplinarstrafverfahren bewenden. Hauptmann Ernst erhielt 15 Tage scharfen Arrest, seine Mitstreiter weniger Tage. Für die recht milde Strafe wurden die achtenswerten Gewissensgründe angeführt, die Ernst, Waibel, Hausamann und Lindt zum Widerstand bewegt hatten.
  • Der General erklärte, ihre Motive seien einwandfrei, doch hätten sie in aller Offenheit dafür eintreten sollen. Gut einen Monat nach dem Juli-Treffen, am 25. August 1940, rief Guisan alle höheren Kommandanten der Armee zum Rütli-Rapport zusammen, in dem er das Gebot des unbedingten Widerstands hochhielt.