10 Stolpersteine zum Kampfjet

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Der Weg zum neuen Schweizer Kampfjet gleicht einem 110-Meter-Hürdenlauf. Als erfahrenem Hürdenläufer sei es mir erlaubt, die zehn Hürden zu nennen.

Hürde 1: Ständerat

Der Start ist geglückt, die erste Hürde elegant genommen: Am 24. September 2019 stimmte der Ständerat den geforderten sechs Milliarden Franken mit 36 Ja zu 6 Nein zu. Die Kompensationen (Offset) setzte er auf 100% fest.

Hürde 2: Nationalrat

Nun folgt im Hürdenlauf die Beschleunigungsphase über das zweite und dritte 106,7 cm hohe Hindernis, die schon manches Rennen entschied.  

Am 9. Dezember 2019 stimmte der Nationalrat dem Kampfjet zu. Den Offset legte er auf 60% fest.

Es kommt zur Differenzbereinigung mit dem Ständerat > wieviel Zeit das kostet, ist offen > und es beeinflusst die Strecke zur Hürde Nummer 3.

Hürde 3: Volksabstimmung

Wenn alles rund läuft, entscheidet das Schweizervolk schon am 27. September 2020 über das grösste Rüstungsgeschäft in der Geschichte der Eidgenossenschaft. Es wird ein gigantischer Kampf, zu dem beide Lager alle Kräfte mobilisieren werden.

Hürde 4: Typenentscheid

Sollte die Volksabstimmung schon Ende September 2020 stattfinden und der Souverän die sechs Milliarden annehmen, wäre im 4. Quartal 2020 oder im 1. Quartal 2021 mit dem Typenentscheid zu rechnen.

Hürde 5: Kosten der Kompensation

Damit die Luftwaffe eine Zukunft hat, ist die Beschaffung von 40 Jets unabdingbar. Unbestritten ist, dass Offset den Kauf verteuert. Je höher der Prozentsatz liegt, desto weniger Maschinen können für die sechs Milliarden beschafft werden > Wollen wir 40 Flugzeuge, müssen 150 Millionen pro Stück reichen, eine simple Rechnung.

Hürde 6: Kosten der Autonomie

Auch die im Schweizer Wehrwesen unabdingbare Autonomie kostet > eine weitere Grösse, die auf die Zahl der Jets durchschlägt.

Hürde 7: Kosten der Flugstunden

Auf dem F/A-18 kostet eine Flugstunde jetzt schon 30’000 Franken. Das ist, etwa im Vergleich zur US Navy, teuer und schlägt im Betrieb zu Buche.

Hürde 8: Dummheiten im eigenen Lager

So sicher wie das Amen in der Kirche kommt das Referendum. Der Ausmarchung an den Urnen könnte knapp werden > Dummheiten auf der eigenen Seite mag es nicht leiden.

Hürde 9: Der Anti-Armee-Medienverbund

Mit Sicherheit muss der Abstimmungskampf wieder gegen den grün-rot-linksliberalen Medienverbund geführt werden, der schon 2014 im Drei-Tages-Rhythmus gegen den Gripen schoss und jedesmal, wenn die Pro-Kampagne von Brigadier Wüthrich abzuheben schien, mit neuen, teils abstrusen  Behauptungen aufwartete (CIA, schwed. Botschafter und so fort).

Somit wären wir nach dem Überlaufen (nicht Überspringen) der ersten neun Hürden am zehnten Hindernis angelangt. Die letzte Hürde gilt als die schwierigste; und auch auf dem Lauf zum Kampfjet könnte sie sich als tückisch erweisen.

Hürde 10: Rückenschüsse

Im Mai 2014 verlor die Armee den Gripen-Urnengang mit 46% zu 54% der Stimmen. Ohne mannigfache Rückenschüsse aus dem eigenen Lager wäre die Abstimmung gewonnen worden. Die F-5 Tiger wären ersetzt, und jetzt müsste “nur” die F/A-18-Flotte ersetzt werden. Hätte, hätte, Velokette.

Das Drama der Rückenschüsse darf sich 2020 nicht wiederholen. Mit der tüchtigen Bundesrätin Amherd an der Spitze besteht Hoffnung, dass wir auch die zehnte Hürde nehmen und den Sieg ins Ziel tragen. Dazu bedarf es aber der Einigkeit und der Mobilisierung aller Pro-Armee-Kräfte im Land.

 

So wären wir nach 110 Metern im Zielauslauf angelangt. Manch ein Hürdensprinter touchiert einmal eine Hürde und gewinnt das Rennen dennoch. Zur Niederlage ist verurteilt, wer zu viele Hürden umholzt und dabei ins Stolpern gerät > siehe Hürde 10, das gefährlichste aller Hindernisse!

 

Siehe auch >  Nach Pilatus-Ja – Kampfjet-Chancen intakt

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